Gedenkstättenfahrt nach Majdanek – „Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ – George Santayana
Nationalsozialisten, Konzentrationslager, Judenverfolgung, Ghettos und Holocaust. All diese Begriffe hört man im Geschichtsunterricht ständig, wenn es um den Zweiten Weltkrieg geht. Aber was bedeuten all diese Begriffe, wie passen sie zusammen, welche Geschichten stecken hinter ihnen und was soll ich damit heutzutage noch anfangen? Diese Fragen schwirren oftmals in meinem Kopf und auch in vielen anderen Köpfen meiner Mitschüler. Eine Gruppe von Schülern hat sich nun diesen Fragen gestellt. Vom 31.03 bis zum 04.04 unternahmen wir, im Rahmen des Geschichtsunterrichts eine Exkursion zur Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslagers Majdanek bei Lublin, Polen. Ziel der Fahrt war es, sich vor Ort mit den Verbrechen des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen.
Am ersten Tag bekamen wir einen Einblick darin, wie die Nationalsozialisten die polnischen Stadt Lublin besetzten. Durch Hass und Hetze wurden die polnischen Juden von der übrigen Gesellschaft ausgeschlossen. In 1941 begannen die Nationalsozialisten ein jüdisches Ghetto inmitten der Stadt aufzubauen, welches in zwei Teile geteilt wurde. Ein Teil des Ghettos war für Zwangsarbeiter. Im anderen Teil des Ghettos wurden vor allem die Jüdinnen und Juden konzentriert, die für die Deportation vorgesehen waren. In Konzentrationslager die wir bald kennenlernen sollten.
Majdanek – Ein Ort des Gedenkens und der Mahnung
Die Gedenkstätte dokumentiert die grausamen Verbrechen, die zwischen 1941 und 1944 an diesem Ort verübt wurden. Majdanek wurde als erstes großes NS-Lager aufgelöst. Die rote Armee fand schockierende Beweise der von den Deutschen begangenen Verbrechen: Asche, Knochen, menschliche Überreste und die Leichen der fast 80.000 ermordeten oder verstorbenen Häftlinge. Schon bei der Ankunft lag eine beklemmende Stille über dem Gelände. Die massiven Stacheldrahtzäune, die langen Baracken, die unheimlich wirkenden Wachtürme –nun wirkte es nicht mehr so fremd wie im Unterricht. Es war real. Hier haben Menschen gelitten, gehungert und sind gestorben. Während der Führung durch das Lager hörten wir von unmenschlichen Lebensbedingungen, Zwangsarbeit und Massenmorden in Gaskammern. Wir gingen durch enge Baracken, in denen Hunderte Gefangene auf engstem Raum lebten. Wir standen im Krematorium, dort, wo die Leichen der Opfer verbrannt wurden. Wir sahen Berge von Schuhen – tausende Paar, jedes ein Symbol für ein verlorenes Leben, darunter auch viele Kinderschuhe. Wir betrachteten alte Kleidung und alte Objekte, die vor langer Zeit den Gefangenen gehörten. Besonders tief ging uns der Moment, in dem wir die Gaskammern betraten, dort wo tausende Menschen einst ihr Leben lassen mussten. Heute stand dort eine Gruppe jüdischer Mädchen die sangen und ihren verstorbenen Vorfahren gedachten.
Belzec – Ein Ort des Massensterbens
Belzec war anders als die anderen alten Museen der Konzentrationslager. Als wir ankamen sahen wir nicht wie in Majdanek alte Baracken, Wachtürme oder Gaskammern, stattdessen war da nur ein dunkles Feld aus dunklem Schotter. Im kleinen, unterirdisch gelegenen Museum erhielten wir einen Einblick in die Geschichte des Lagers. Fotos, Berichte von Überlebenden und historische Dokumente. Besonders wurde einem dort bewusst wie systematisch der Mord organisiert war. Die meisten Opfer wurden direkt nach der Ankunft in den Gaskammern ermordet. Aus dem ganzen Lager gab es genau 2 Überlebende. Bełżec war ein Ort des Verschwindens – für Menschen, für Spuren, für Erinnerungen. Die Nationalsozialisten versuchten die zwischen März und Dezember 1942, 500.000 ermordeten Juden und Jüdinnen zu vergessen und ihre Taten zu vertuschen in dem sie das gesamte Lager abrissen, dass Feld umpflügten und ein Bauernhof errichteten. Jedoch konnten sie nicht die Geschichten der Opfer vernichten.
Ein Besuch, der bleibt
Die Exkursion nach Majdanek hat uns berührt. Sie hat uns gezeigt, wie zerbrechlich Menschlichkeit sein kann, wenn Hass und Gleichgültigkeit die Oberhand gewinnen. Und sie hat uns gelehrt, wie wichtig Erinnerung ist – nicht als Pflicht, sondern als Haltung.
Wir sind dankbar, dass wir diesen Ort besuchen durften. Dabei möchten wir uns nochmal persönlich bei der Förderung von KJP, der IBB Dortmund, dem Land Mecklenburg-Vorpommern und der europäischen Akademie bedanken, dass sie uns diesen Ausflug ermöglicht haben. Und wir sind entschlossen, die Botschaft dieses Ortes weiterzutragen: Nie wieder.
Fiona Schwedt/Greta Wätke

Schreibe einen Kommentar